Die Elternumfrage zur Kita-Beitragsreform: Was die Zahlen zeigen
Im Vorfeld der Ratsentscheidung hat der JAEB Eltern mit Kindern in Kita und Kindertagespflege zur geplanten Beitragsreform befragt. Die Resonanz war groß: 2.235 Familien haben teilgenommen, 1.982 davon haben auch im Kita-Jahr 2027/28 noch ein Kind in Betreuung und bilden die Auswertungsbasis. Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich die Zeit genommen haben. Hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
Die Reform wird überwiegend kritisch gesehen
72,4 Prozent der Familien bewerten die Reform eher oder sehr kritisch, nur 9,4 Prozent eher oder sehr gut. Der wichtigste Treiber dafür ist die erwartete Mehrbelastung: 75,6 Prozent rechnen bei unverändertem Betreuungsumfang mit höheren Beiträgen als heute, davon erwarten 69,1 Prozent sogar eine deutliche Mehrbelastung.
Wichtig dabei: Diese Kritik beschränkt sich nicht auf Spitzenverdiener. Schon bei einem Einkommen zwischen 60.000 und 80.000 Euro bewerten 61,5 Prozent die Reform kritisch. Die Skepsis zieht sich also durch weite Teile der Mittelschicht.
Der Betreuungsbedarf verschiebt sich klar Richtung 35 Stunden
Heute buchen 83,9 Prozent der Familien 45 Stunden. Künftig würden 32,5 Prozent einen beitragsfreien 35-Stunden-Platz wählen, das ist mehr als eine Verdreifachung gegenüber heute. Konkret wollen 477 der 1.660 heutigen 45-Stunden-Familien auf 35 Stunden wechseln.
Die heutige Buchungsstruktur spiegelt nicht immer den echten Bedarf
44,2 Prozent der Familien geben an, mehr gebucht zu haben, als sie eigentlich brauchen, 22,2 Prozent, weil ihnen schlicht kein kleinerer Platz angeboten wurde. Besonders betroffen sind Teilzeit- und Alleinverdiener-Haushalte. Das zeigt: Die Verfügbarkeit von 35-Stunden-Plätzen ist schon heute kein Selbstläufer, sondern muss aktiv sichergestellt werden.
Ein Signal zur Arbeitszeit, nicht mehr
Innerhalb der Familien, die von 45 auf 35 Stunden wechseln wollen, äußern 61,6 Prozent die Absicht, deshalb ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder eine geplante Aufstockung nicht umzusetzen. Wichtig ist hier die Einordnung: Es handelt sich um geäußerte Absichten, nicht um beobachtetes Verhalten. Trotzdem ist das Signal aussagekräftig, weil es sich vor allem im Teilzeitkorridor zwischen 25 und 35 Wochenstunden zeigt, also genau dort, wo eine zusätzliche Arbeitsstunde am ehesten gegen die Betreuungskosten abgewogen wird.
Verlässlichkeit ist schon heute für viele ein Thema
62,3 Prozent erleben ihre Betreuung als eher oder sehr verlässlich, gleichzeitig berichten 24,4 Prozent von häufig oder sehr häufig eingeschränkter Betreuung im letzten Jahr. Das ist relevant, weil die Reform künftig für längere Betreuungszeiten Beiträge erhebt, Familien also für etwas zahlen sollen, auf das sie sich auch verlassen können müssen.
Was Eltern uns geschrieben haben
785 Familien haben zusätzlich das offene Freitextfeld genutzt. Ein paar Stimmen, sinngemäß und anonymisiert wiedergegeben:
„Dass die 35 Stunden derzeit oft schon um 14:30 Uhr enden, ist eine Belastung.“
„Die Reform stellt eine sehr starke finanzielle Mehrbelastung dar.“
„Es werden Familien bestraft, die mehr verdienen.“
Eine Anmerkung zur Umfrage selbst
Ein Hinweis zur Einordnung: Einkommensstärkere, erwerbstätige Familien sind in der Umfrage überrepräsentiert, vermutlich weil sie am stärksten von der neuen Beitragsstruktur betroffen sind. Für exakte stadtweite Zahlen ist die Umfrage daher nicht geeignet, für Richtung und Größenordnung der Ergebnisse aber schon.
Was mit den Ergebnissen passiert ist
Diese Zahlen waren die Grundlage für unsere Stellungnahme an die Verwaltung und für unsere Gespräche mit den Fraktionen von Grünen und CDU vor der Ratsentscheidung. Was daraus politisch geworden ist, und wie es mit der Umsetzung weitergeht, lest ihr in unseren beiden anderen Beiträgen zur Beitragsreform.
Euer JAEB Düsseldorf